Von weißer Haut und dem Mond

Hallo ihr Lieben,

Heute erzähl ich euch ein bisschen über meine bisherigen Erfahrungen als weiße, junge Frau hier, und welche Rolle meine Hautfarbe in meinem Alltag spielt. Weiter unten gibt’s dann ein paar allgemeine Updates.

Wo fange ich nur an? In der Schule beispielsweise fragen sie mich immer mal wieder nach meiner Meinung oder Ideen, die ich gerne mit ihnen teile. Manchmal muss ich sie aber daran erinnern, dass ich keine ausgebildete Lehrerin bin, sondern selbst gerade erst fertig mit der Schule. Ab und zu kommt es sogar vor, dass eine der Lehrerinnen mich fragt, ob es in Ordnung ist, wenn sie eine Pause machen. Dann muss ich sie dann erinnern, dass sie meine Chefin ist und nicht umgekehrt. Auch sonst werden Marie und mir manchmal Dinge zugetraut, die wir gar nicht können, bloß, weil von uns als Ausländerinnen erwartet wird, dass wir sie können. So sollten wir ihnen beispielsweise Budgetpläne erstellen und eine Bibliothek planen. Als wir dann auch noch gebeten wurden, eine Liste mit Dingen zu zusammenzustellen, die wir brauchen, um ein Dach zu reparieren, habe ich Klartext geredet und gemeint, dass ich dafür schlicht unqualifiziert bin. Ich habe erklärt, dass ich mich als Volontärin gerne einbringe so gut ich kann, aber keine spezifische Ausbildung habe und viel mehr von ihnen lerne als sie von mir.

Eigentlich gelingt die Begegnung auf Augenhöhe mit den Menschen in meinem Projekt sehr gut, auch, weil ich ja wie andere direkt im Projekt wohne und auch Teile meiner Freizeit mit ihnen verbringe. Mit Menschen außerhalb des Projekts, die mich nicht kennen, funktioniert das weniger. Die sehen nur, dass ich weiß bin. „Barang“, hör ich manchmal, wenn ich durch die Straßen gehe, „fremd“. Die Blicke sind sowieso immer da. Wenn wir BesucherInnen im Projekt haben, kann es passieren, dass sie sich mehr für Marie und mich interessieren als für andere MitarbeiterInnen. Das ist unfair. Wir arbeiten kürzer hier als alle anderen und trotzdem wurden wir beispielsweise von Mitgliedern der lokalen Regierung eingeladen, beim Water Festival in der Ehrenloge zu sitzen und den Bootsrennen zuzusehen. Dafür haben wir nichts weiter getan, als weiß zu sein und das fühlt sich einfach nicht gut an.

Mir werden aufgrund meiner Hautfarbe bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Kurz: Vorurteile. Damit musste ich mich bisher in meinem Leben noch nicht von dem Standpunkt der Betroffenen auseinandersetzen, weil ich bisher immer an Orten war, wo Menschen mit weißer Haut die klare Mehrheit bildeten. Die Vorurteile, die mir begegnen, sind die meiste Zeit positiv, oder sogar vorteilhaft für mich. Ich empfinde das als so unfair. Wie alle Menschen auf dieser Welt kann ich nichts für die Farbe meiner Haut, es war nicht meine eigene Leistung, weiß zu sein. Nur als Weiße begegnen einem hier fast ausschließlich positive Vorurteile, Menschen mit anderen Hautfarben müssen oft mit ganz anderem Gerede klarkommen. Wie kann das sein? Weiße Menschen sind in so ziemlich jede Ecke der Welt gefahren und haben andere Menschen unterdrückt. Trotzdem ist es hier und an vielen Orten der Erde definitiv ein Vorteil weiß zu sein. Das kann ich nur schwer nachvollziehen.

Klar ist es eine Art Luxusproblem, mit „guten“ Vorurteilen konfrontiert zu sein. Meine Hautfarbe ist ein Vorteil, kein Nachteil. Ich mag aber das Gefühl nicht, etwas zu bekommen, das ich nicht verdient habe. Ich möchte aufgrund meines Handelns Möglichkeiten eröffnet bekommen und nicht wegen der Farbe meiner Haut.

Das wird sich aber nicht so schnell ändern und ich denke ich muss einfach lernen, damit klarzukommen.

Aber genug davon, was gibt es sonst so Neues? Die Schule ist endlich losgegangen! Zuvor sind wir in verschiedene Dörfer gefahren und haben für unsere Schule Werbung gemacht. Am 6. November hatten wir schließlich unsere Opening Celebration und am Tag darauf gings auch schon los. Mein Fazit: 15 drei- bis fünfjährige sind unglaublich süß und unglaublich anstrengend. Daran werde ich mich aber denke ich schnell gewöhnen und ich freue mich schon darauf, mit den Kindern zu arbeiten. Mit den älteren Kindern im Volkschulalter am Nachmittag in der Enrichment Class ist es sowieso etwas ruhiger 😊 Ansonsten habe ich erfahren, dass noch eine Volontärin kommt: Eine Schweizer Sonderschullehrerin wird für eineinhalb Monate hier in Croap leben, was bestimmt eine Bereicherung wird. Außerdem gibt es ein paar Neuigkeiten von meinem Müllprojekt: die Trennung von Bioabfall und anderem Müll funktioniert mittlerweile fast immer und nächste Woche habe ich dann meinen Plastikworkshop bei dem wir hoffentlich gemeinsam ein paar weitere Maßnahmen beschließen können.

Zudem war in den letzten Tagen hier das Bon Om Touk, das „Festival of the water and the moon“ was sich für mich ziemlich magisch angehört hat und zum Teil auch so war. Ein paar Tage zuvor, finden im ganzen Königreich Bootsrennen statt und dann fährt die beste Mannschaft aus jeder Provinz nach Phnom Penh, um gegeneinander anzutreten. (Die Mannschaft des Premierministers Hun Sen gewinnt jedes Jahr, was ein Zufall.) Am Donnerstag besuchten Marie und ich das Bootsrennen in Pursat und es ist wirklich ein Spektakel. Am Samstag dann fuhren wir in die anliegende Provinz Kompong Chhnang zu einem Wasserfall. Bereits am Eingang sah es schon paradiesisch aus. Fröhliche Menschen badeten im Fluss, links und rechts säumten die klassischen Holzhäuschen auf Stelzen das Ufer. Zwischen den Stelzen werden übrigens immer Hängematten gespannt, was das ganze noch malerischer aussehen lässt. Marie und ich wollten aber den großen Wasserfall sehen und so gingen wir mit unsere Freunden Borey und Cheat durch den Dschungel den Berg hinauf. Und es hat sich ausgezahlt: wir waren allein, das Wasser war unglaublich, es lag praktisch kein Müll herum und war definitiv einer der schönsten Orte, an dem ich je war.

Gestern Abend fuhren wir dann noch nach Pursat um den letzten Abend des Bon Om Touks zu erleben: Alles war erleuchtet, die Straßen voll mit Menschen, überall war Musik. Die Buddhisten ließen erleuchtete Blumengestecke am Fluss treiben, in die sie zuvor Gebete an Indra, den Gott des Mondes, gesprochen hatten. Außerdem stiegen immer wieder Himmelslaternen in die Nacht hinauf. (Ich weiß, umwelttechnisch eine Katastrophe, aber soo schön).

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass die Zeit gerade unglaublich schnell vergeht und es mir hier wirklich gut geht.

Heute bin ich dankbar für das Baden im Wasserfall, für Cheat, Borey und Marie und das gemeinsame Kochen

Danke fürs‘ Lesen und ich hoffe, euch geht’s auch gut!

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Von Müll und Höhlen

Hallo ihr Lieben,

Jetzt bin ich bereits sieben Wochen hier in Kambodscha und würde durchaus sagen, dass ich mich eingelebt habe. Mittlerweile hat sich ein Alltag eingestellt und auch noch ein bisschen genauer herauskristallisiert, was ich in meiner Zeit hier tun werde. Abgesehen von meiner Arbeit in der Montessorischule und manchmal mit der Women’s group habe ich mich jetzt nämlich dem Thema Nachhaltigkeit angenommen. Angefangen hat es dadurch, dass ich gefragt habe was mit dem Müll aus dem Projekt geschieht. Die Antwort: Er wird in den Wald geschmissen und teilweise verbrannt. Das hat mich natürlich schockiert, bei näherer Betrachtung aber nicht überrascht. Man muss nicht lange in Kambodscha sein, um das riesige Müllproblem zu bemerken. Trotzdem wollte und will ich unsere Situation mit dem Müll nicht einfach so hinnehmen und habe, trotz miesen Internets, Stunden damit verbracht, zum Müllproblem in Kambodscha zu recherchieren. Das Ergebnis: es gibt nur in den großen Städten Waste Management und nicht mal dort funktioniert es. Die Leute verbrennen ihren Müll oder schmeißen ihn in Flüsse, nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“, was besonders schmerzhaft für mich ist, wenn man bedenkt, dass alle Flüsse irgendwann im Meer münden. Es gibt allerdings auch Müllsammler, die sich um einen Teil der Plastikflaschen und Dosen kümmern. Ich bin also zum frustrierenden Schluss gekommen, dass wir nicht viel an unserer Müllentsorgung im Projekt ändern können, ganz einfach, weil es keine Ressourcen dafür gibt. Was wir aber ändern können ist, wie viel neuen Müll wir produzieren. Zurzeit kommen wir beispielsweise von einem Großeinkauf vom Markt mit ungelogen 20 bis 25 Plastiksackerl wieder, was es in Zukunft zu vermeiden gilt. Und hier komme ich in Spiel.

Ich habe einige Ideen:

Das Gelände und den Fluss des Projektes von herumliegenden Müll befreien (es liegt zwar viel weniger als anderswo herum aber trotzdem zu viel)

Plastiksackerl, Strohhalme, Take away Container, Sprich Einwegplastik nicht mehr verwenden

Alles irgendwie mögliche upcyclen oder wiederverwenden

Einen Workshop für alle MitarbeiterInnen des Projekts über die Klima Krise, Nachhaltigkeit und die Auswirkungen von Müll

Regelmäßige Einheiten in der Montessorischule über environmental issues

All diese Ideen habe ich Anfang Oktober beim monatlichen Meeting vorgestellt. Mit dem Ergebnis, dass ich von dem Projektleiter Mr. Santiago zur Hauptverantwortlichen in Sachen Nachhaltigkeit ernannt wurde und mit der Erlaubnis, alles umzusetzen, was ich mir vorgestellt hatte. Da wären wir auch schon beim nächsten Punkt: die Umsetzung. Das die alles andere als einfach wird, ist mir durchaus bewusst. Wenn man bedenkt, dass es auch in Österreich genügend Leute gibt, die es scheinbar einfach nicht schaffen eine Leinentasche zum Einkaufen mitzunehmen, wird es hier in Kambodscha, wo es praktisch kein Bewusstsein für Müll und seine Auswirkungen gibt, nochmal um einiges schwieriger. Auch den Vortrag für die MitarbeiterInnen vorzubereiten ist eine echte Herausforderung für mich. So weiß ich beispielsweise nicht genau, von wie viel Vorwissen ich ausgehen kann, was zu oberflächlich und was zu detailliert ist. Dennoch bin ich gute Dinge, nach und nach, mit viel Geduld, ein paar Dinge umsetzen zu können. Es ist auch einfach ein tolles Gefühl, eine konkrete Aufgabe für mich gefunden zu haben, in der ich aufgehen kann. Meine Mission sozusagen.

Wenn ihr irgendwelche Anregungen, Ideen oder Tipps für mein Müllprojekt habt freue ich mich sehr!

Battambang

Aber genug von der Arbeit: letztes Wochenende ging es für Borey, Marie, Chheat, Soi und mich nach Battambang, wo wir ein paar Tagen mit der Familie von Borat, Boreys Bruder verbracht haben. Wir haben sehr viel unternommen, so waren wir auf Blumen- und Weinfarmen und haben einen Tempel, der sogar noch älter ist als Angkor Wat, bei Sonnenuntergang besucht. Ein Highlight war definitiv auch die Fahrt mit dem Bamboo Train. Der ist leider mittlerweile nicht mehr aus Bambus, besteht aber aus einer Holzplatte mit ein paar Sitzen, die hinten von einem einfachen Motor betrieben wird und mit der man dann ein paar Minuten auf Gleisen einen Berg entlang zischt. Ein weiteres Highlight war dann das Mittagessen auf einem schwimmenden Restaurant, strohgedecktes Dach und Hängematten inklusive. Weiter gings dann unzählige Stufen einen Berg hinauf, und die Aussicht und die Tempel oben waren den Asthma-anfall, der schon im Anmarsch war, wirklich wert. Runter gings dann nicht wieder die Stufen, sondern auf einem Trampelpfad mitten durch den Dschungel, bis wir auf einmal vor einer Höhle standen. Ein alter Mann ging mit uns hinein, erzählte mit brüchiger Stimme etwas über die Formen der Tropfsteine und führte uns zu einer Buddha-Statue tief im Inneren. Wieder draußen sahen Marie und ich uns an: Hatten wir das gerade wirklich erlebt?

Am Sonntag passierte dann noch etwas für mich sehr Aufwühlendes. Wir besuchten noch einen anderen Berg (für alle ÖsterreicherInnen einen Hügel). Dort warteten wieder Tempel, aber auch Affen, Höhlen, Mönche, jede Menge Libellen und schöne Ausblicke auf uns. Einer der Höhlen besuchten wir genauer: Die sogenannte Killing Cave. In dieser Höhle zwangen die Roten Khmer über mehrere Jahre hinweg 10.000 Menschen in den Tod zu springen. Wir bekamen eine Art Führung, die mich schlussendlich zum Weinen brachte: So waren viele Knochen nicht wirklich aufgebahrt und unser Guide hielt mir einen Knochen mit Haut hin von dem ich mich nicht schnell genug abwenden konnte. Immerhin weigerte ich mich, die Gebeine einer schwangeren Frau und ihres ungeborenen Kindes anzusehen. Das Ganze warf mich völlig aus der Bahn und die anderen waren mit meinen Tränen komplett überfordert. Marie verstand es, aber Kambodschaner haben, sicher auch durch den Buddhismus, einfach ein anderes Verständnis vom Tod und sind sicher auch an die Schrecken der Roten Khmer gewöhnt. Das war dann natürlich kein so schöner Abschluss für ein ansonsten absolut wunderbares Wochenende. Unten findet ihr übrigens viele Fotos – Khmer lieben es einfach, hunderttausend Fotos zu machen. An sich habe ich nichts dagegen, nur manchmal sehne ich mich danach an schöne Orte zu fahren, um an schönen Orten zu sein und nicht um schöne Fotos zu machen.

Heute bin ich dankbar für den Urwald, meine Freiheit in der Arbeit und die täglichen Überraschungen.

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Von Tuk Tuks und Tempeln

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich euch ein bisschen von meiner letzten Woche erzählen, die ich in Siem Reap verbracht habe. Die letzten Tage hatte das Pchum Ben Fest, das Fest der Vorfahren (falls es jemanden genauer interessiert hier mehr dazu: https://www.visit-angkor.org/de/2017/09/17/pchum-ben-fest-vorfahren-kambodscha/ ) seinen Höhepunkt und niemand war in meinem Projekt, da alle ihre Familien besuchten. Daher nutzten Marie und ich die Möglichkeit und fuhren mit dem Bus nach Siem Reap, um dort gemeinsam mit Matze und zwei seiner Mitfreiwilligen ein paar Tage zu verbringen. Matze ist auch Jesuit Volunteer und lebt und arbeitet für ein Jahr in Sisophon. Zu seinem Blog geht es hier: https://matthiaswind.home.blog/2019/09/07/good-morning-cambodia/

Am ersten gemeinsamen Abend in Siem Reap besuchten wir eine schöne internationale Messe und gingen dann zum Italiener essen. Marie und ich kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus: alles sah so reich und so gepflegt aus! Es gab Gehsteige, richtige Straßenbeleuchtung und im Restaurant Messer!! Bis auf die paar Stunden in Phnom Penh zu Beginn unserer Reise konnten wir bisher Kambodscha nur von seiner ärmlichen und ländlichen Seite kennenlernen. Gleichzeitig dachten wir, dass die ganzen Touristen, die meistens nur ein paar Tage in Siem Reap verbringen und dann weiter nach Thailand oder Vietnam reisen, ein völlig einseitiges Bild von diesem Land haben.

Die nächsten Tage unternahmen wir viele tolle Sachen: Wir gingen auf große und kleine Märkte, schlenderten durch Pub Street und genossen das Frühstück im Hotel, das nicht aus Reisbrei und gegrilltem Fisch bestand. Immer wieder wurden wir bei unseren Unternehmungen positiv überrascht. So wollten wir einmal einen botanischen Garten besuchen und landeten schließlich in einem Resort, das Bio und nachhaltige Produkte wie etwa Gewürzmischungen, Tees, Kosmetika und Seifen herstellt. Wir bekamen dort eine gratis Führung, konnten den MitarbeiterInnen bei den verschiedenen Arbeitsschritten zusehen und alles ausprobieren. Ein andermal buchten wir eine Guided Tour zu Kompong Phluk, eines der schwimmenden Dörfer rund um Siem Reap. Zu unserer großen Freude waren Matze, Marie und Ich die einzigen, die sich dafür angemeldet hatten und wir bekamen eine sehr persönliche Führung. Auf dem Rückweg bekamen wir von unserem Guide dann eine richtig spannende Geschichtsstunde und redeten über die politische Lage in Kambodscha. Dazu werde ich auch einmal einen Blogeintrag schreiben. Beim Besuch des Dorfes selbst kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus; die Vorstellung wie die Menschen die unzähligen Häuser mitten im Wasser gebaut hatten faszinierte mich. Wir fuhren mit unserem Boot durch einen schwimmenden Wald (alle die mich kennen, wissen, dass die Kombination aus Bäumen und Wasser fast schon zu viel für mich war), hielten bei einer Krokodilfarm (leider vieeel zu kleine Käfige ☹) und landeten anschließend am Tonle Sap, dem größten See Südostasiens. So schön es war, so fühlte sich der Besuch doch seltsam an. Fotografierten wir nicht einfach die Häuser der Leute? Fühlten sie sich nicht wie Tiere im Zoo wenn die bunten Booten riesige Zahlen an Touristen mitsamt ihren (Handy)kameras ausspuckten? So wie in Kompong Phluk fühlten Matze, Marie uns Ich unsere gesamte Zeit in Siem Reap. Wir waren gekommen um ein Jahr hier zu leben, auf Augenhöhe mit den Menschen und fühlten uns in der Rolle der Touristen ein wenig unwohl. Also probierten wir, „achtsame“ Touristen zu sein: Wir bedeckten immer Schultern und Knie, machten von unseren bisherigen Khmer-Kenntnissen Gebrauch, zogen, wie wir es von Pursat gewohnt waren, in Geschäften unsere Schuhe aus und verwendeten die gleiche Tuk Tuk App wie die Locals. Die Reaktionen waren oft ein angenehm überraschtes Lachen und wir fühlten uns gleich ein wenig wohler. Am Donnerstag standen Marie und Ich dann um 4:20 auf, um vor Sonnenaufgang nach Angkor Wat zu fahren. Die Stadt Angkor ist vieeeel größer als nur der bekannteste Tempel Angkor Wat. Den besuchen nämlich jeden Tag unzählige Touristen von der Westseite aus um Sonnenaufgangsfotos zu machen. Wir waren auch dort, aber an der Ostseite und hatten daher den gesamten Tempel samt Sonnenaufgang fast für uns allein. Weiter ging es für uns zu Fuß, nicht mit Moto, Auto oder Bus, wie es die meisten anderen machen. Wir waren zwar langsamer, konnten aber deshalb Angkor ganz anders erleben: wir gingen auf Trampelpfaden im Dschungel zu den verschiedenen Tempeln, hatten schöne Plätze für uns allein und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Vorstellung, mit welch einfachen Mittel die Tausenden Arbeiter diese Monumente geschaffen hatten, haute mich, kurz gesagt, komplett um. Einer der bekanntesten Tempel ist der Ta Prohm, auch Dschungeltempel genannt. Marie und ich sind nichtsahnend über ein paar Steine geklettert und standen auf einmal inmitten der Tempelanlage. Ich habe selten etwas so absolut beeindruckendes gesehen: Riesige, uralte Bäume verwenden die Tempel als Spielplatz. Die Wurzeln liegen offen und sehen aus wie Tentakel eines riesigen Tiefsee Tintenfischs. Lianen schlingen sich um die Steine und überall fliegen Schmetterlinge umher. Das einzige, das die Magie dieses Ortes massiv stört, sind die Menschenmassen. Genauer: chinesische Touristengruppen. Die machten zum Teil Fotos mit Marie und mir, wenn sie nicht von Baum zu Baum hetzten um nach einem Foto weiter zu rennen. Dennoch fanden Marie und ich einen Platz inmitten der Tempel und Bäume, an den sich für 5 Minuten niemand verirrte. Diese paar Minuten werde ich immer in Erinnerung behalten.

Nach einer Woche voller Entspannung, Staunen, TukTukfahrten und schönen Begegnungen hatten Marie und ich überrascht festgestellt, schon Sehnsucht nach unserem Zuhause (!) und den Menschen hier zu haben. Umso netter war es, noch die restlichen Feiertage mit Vanny, Borey und ein paar anderen zu verbringen, bevor morgen wieder die Arbeit losgeht.

Heute bin ich dankbar für die Bäume in Angkor, die Ergebnisse der Nationalratswahl und meine Freunde hier.

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Von Lemon Grass und Klimawandel

Hallo ihr Lieben,

Heute möchte ich euch ein bisschen von dem Alltag erzählen, der sich langsam bei mir einstellt und einige Gedanken mit euch teilen.

Nach dem Frühstück (meistens Reis) geht es um acht mit der Arbeit los. Das bedeutet für mich vormittags, dass ich in der Montessorischule arbeite. Entweder übersetze ich Dokumente vom Deutschen ins Englische oder helfe der Lehrerin Siny und den beiden Lehrerassistentinnen dabei, kaputte Materialien zu reparieren. Um Punkt 12 gibt es Mittagessen (wieder Reis, Fleisch und Gemüse) und dann ist Mittagspause bis halb 2 oder 2. Nachmittags habe ich vergangene Woche mit den Frauen der Women’s Group gearbeitet. Jeden Tag waren wir auf dem Hof einer anderen Bäuerin und haben ihr geholfen Reis zu pflanzen. Das ist zum Teil ziemlich anstrengend, vor allem wenn es heiß ist. Trotzdem macht es mir Spaß, einerseits weil die Frauen so unglaublich fröhlich sind und andererseits finde ich es spannend, mehr über die Pflanzen hier zu lernen. Außerdem gehe ich zum ersten Mal in meinem Leben über einen längeren Zeitraum einer körperlichen Arbeit nach, da ich die letzten 12 Jahre ja „nur“ in der Schule gesessen bin. Die Feldarbeit ist also eine neue Erfahrung für mich und ich bin dankbar, dass ich sie machen darf. Sie lässt mich noch mehr Respekt für Bäuerinnen und Bauern empfinden, egal ob in Kambodscha oder Österreich. Um 5 ist Arbeitsende und bis 6 ist dann Freizeit, die viele zum Sport machen nutzen. Ich bin ehrlicherweise nach der Arbeit am Feld oft zu müde dafür. Nach dem Abendessen (richtig getippt, wieder Reis) haben Marie und ich noch Khmer Unterricht. Dann sind die Pflichten für den Tag vorbei und nach etwas tratschen und tanzen mit meinen Mitbewohnerinnen und Marie falle ich meistens schon um 9 ins Bett.

Letzte Woche waren Marie und ich mit beim Gottesdienst. Der wird, da die Kirche in Pursat gerade renoviert wird, in einer Schule gefeiert, die von koreanischen Schwestern geführt wird. Auch der Priester kommt aus Korea und hat uns nett begrüßt. Der Gottesdienst dann war natürlich auf khmer, genauso wie die Lieder. Deshalb habe ich natürlich nichts verstanden. Das und der Fakt, dass in einem Neonlicht erleuchtetem Raum auf dem Fußboden gefeiert wurde, führten dazu, dass es sich für mich nicht wirklich wie ein Gottesdienst angefühlt hat. Aber die Lieder waren schön und als Marie und ich uns kurz vorstellen sollten, hatten die SchülerInnen der Schule eine kleine Überraschung für uns. Sie gaben uns selbstgebastelte Papierblumen, ein oranges Wollarmband, mit buddhistischer Bedeutung und haben ein englisches Lied für uns gesungen, was mich berührt hat.

Was ich in meiner kurzen Zeit hier auch bereits beobachten konnte, ist, dass die Bäuerinnen und Bauern hier schon jetzt stark vom Klimawandel betroffen sind. Manche konnten ihren Reis bisher nicht pflanzen, da es eine Dürre gab. Erst jetzt kommt langsam der Regen – normalerweise ist die Regenzeit von Mai bis Oktober. Man hat uns auch gesagt, dass zwei Wochen vor unserer Ankunft noch alles hier in Croap braun war. Nur wenige Kilometer weiter jedoch haben starke Überschwemmungen den frisch gepflanzten Reis sterben lassen. Letzte Woche haben wir einige Bauern in umliegenden Dörfern besucht, die auch die SRI-Methode anwenden. Mir ist dabei klar geworden, dass es einen riesen Unterschied macht, ob man in Österreich über den Klimawandel redet oder vor dem zerstörten Feld einer armen Bäuerin steht. Denn arm sind die Menschen hier, besonders am Land. Und Kambodscha leidet wie viele andere arme Länder besonders stark unter den Folgen des Klimawandels.

Ähnlich wie in meinem letzten Blogpost will ich auch heute ein bisschen über Hautfarben reden, ganz einfach, weil dieses Thema hier omnipräsent ist. Am Donnerstag waren wir auf einer Art Ausstellung/Markt, bei der Bioprodukte präsentiert wurden. Das ist hier etwas richtig Besonderes. Auch wir waren dort mit unserem Reis vertreten. Ihr glaubt nicht wie viele Fotos mit Marie und mir gemacht wurden! Oder auch von uns, und sie denken wir merken es nicht. Ganz einfach, weil AusländerInnen hier so ein seltener Anblick sind. Oder die Frauen bei der Feldarbeit – wie schockiert sie waren, dass Marie und ich nicht komplett vermummt daher gekommen sind. Aber wieso sollten wir – uns ist es schließlich egal, ob wir braun werden, kein sozialer Druck ist für uns mit Sommerbräune verbunden. Außerdem sagen sie uns oft, dass wir schön sind. Aber finden sie uns schön oder unsere Haut? Gestern hat Vanny zu mir gesagt: „You are a simple girl. You don’t care if somebody is black or white.” Kurz davor hat sie ungläubig gelacht, als ich ihr gesagt habe, dass ich auch dunkelhäutige Menschen schön finde. Es ist manchmal so frustrierend, weil sie einfach nicht glauben können, dass sie trotz ihrer dunkleren Hautfarbe ehrlich schön sind. Trotzdem werde ich nicht aufhören, es ihnen zu sagen, vielleicht lassen sie es irgendwann ein bisschen zu und lachen nicht mehr ungläubig.

Heute bin ich dankbar für die Mopedfahrten, das Tanzen mit den Mädels, das Lemongrass anpflanzen und Drachenfrüchte.

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Von CROAP und Karaoke

Hallo ihr Lieben,

Mittlerweile bin ich nun schon einige Tage in meinem Projekt und dachte, dass es an der Zeit wäre euch ein bisschen mehr darüber und meine erste Zeit hier zu erzählen.

Das Projekt namens CROAP (Center for Research on optimal agricultural practices) liegt etwa 20 Minuten mit dem Auto von dem Städtchen Pursat in der gleichnamigen Provinz entfernt. Es ist ein recht großes Gelände mit mehreren Häusern, einer Montessorischule, einer Holzkapelle, einem Volleyball- und einem Fußballfeld, einem Essensplatz, einigen Gästehäusern und viel Grün. In Croap laufen einige Projekte parallel: Einerseits gibt es die Women’s Group: Eine Gruppe von Reisbäuerinnen bekommt hier Koch- und Serviceunterricht, da bald ein Café auf der ein paar Autominuten entfernten Demonstration Farm eröffnet werden soll. Auf der Demonstration Farm wird die SRI (System of Rice Intensification) Methode getestet. Diese Methode verzichtet anders als beim herkömmlichen Reisanbau auf jegliche Chemikalien und gibt den Reispflanzen mehr Platz zum Wachsen. Das bedeutet mehr Ertrag, aber auch mehr Arbeit. In Croap und auf der Demonstration Farm wird mit hiesigen Bäuerinnen und Bauern über die Methode gesprochen, es werden Kurse gehalten und Selbsthilfegruppen gegründet, um den Zusammenhalt der Bäuerinnen und Bauern zu stärken. Jeder soll hier jedem helfen. Parallel zum ökologischen Reisanbau, dem Café und der Women’s – und Farmers Group soll außerdem das Gelände so hergerichtet werden, dass man es bald als Retreat Center in der Natur anbieten kann. Das Gelände an sich ist schon wunderschön (siehe Fotos unten), aber es müssen noch einige Dinge etwas optimiert und aufgehübscht werden. So sollen beispielsweise Blumen gepflanzt, Häuser angestrichen und repariert oder etwa neue Wege angelegt werden. Und genau hier kommen Marie und ich ins Spiel. Gerade sind Schulferien und deshalb werde ich erst im November anfangen, auch in der Montessorischule mitzuarbeiten. Bis dahin helfe ich ausschließlich dabei, das Gelände zu verschönern und beim Reisanbau zu helfen.

Genau das habe ich schon die letzten Tage gemacht. Am Mittwoch kamen Santiago, Marie und ich am Vormittag in Croap an und wurden anschließend herumgeführt und konnten unsere Sachen auspacken. Am Abend spielten wir dann gemeinsam mit den Mitarbeitern Volleyball, gespickt mit vielen „You, Sister!“s ihrer- und mehr oder weniger guten Leistungen unsererseits. Am Donnerstag ging es auch schon los: Ich hab den Frauen der Womens Group geholfen ein großes Blumenbeet anzulegen, was in Kombination mit der Temperatur und Hitze schon ganz schön anstrengend war. Doch die Gartenarbeit machte trotzdem Spaß, da die Frauen viel lachten, tanzten und kambodschanische Musik hörten. Auf einmal war ein bekanntes Lied zu hören: „Lieblingsmensch“ von Namika. Meine Mitbewohnerin Vanny hatte es eingestellt: „Now you live here too, sister“.

 Am Freitag sind wir dann zum Markt nach Pursat gefahren, was nochmal eine Erfahrung für sich war. Einerseits wieder der Verkehr (mittlerweile kann ich meinen MaM-Counter = Menschen am Moped Counter, auf 4 hochstufen) und andererseits der Markt selbst: Er war absolut riesig, manche Stände außerhalb, doch die meisten innerhalb einer großen Markthalle. Alles war zu kaufen: frische Früchte, Fleisch und Snacks aber auch Kleidung, Schmuck, Hygieneartikel, Spielzeug, Decken etc… Auch die unterschiedlichsten Gerüche gab es, manche gut, manche kaum auszuhalten. Und die Blicke. Marie und ich waren die einzigen Weißen und das sorgte für Aufmerksamkeit. Wertende, neugierige, vielleicht auch ein wenig neidische Blicke. Neidisch auf die Farbe unserer Haut. In den paar Tagen, die ich erst hier bin drehte sich das Gespräch schon oft um Hautfarben. Khmer Frauen wollen nämlich um keinen Preis dunkel sein. Die allgemeine Wahrnehmung ist, dass wer eine dunkle Hautfarbe hat, in der Sonne am Feld arbeiten muss, sprich vom Land kommt und deshalb arm ist. Dunklere Haut bedeutet dann anscheinend schlechtere Chancen, sowohl in der Karriere als auch in der Liebe. Am Markt haben dann zwei Mädchen sogar Selfies mit uns gemacht, die eine das Gesicht mit Makeup heller geschminkt, als es eigentlich war. Auch das machen hier viele Frauen, oder gehen nur mit hochgeschlossener Kleidung aus dem Haus. Oder benutzen whitening creams oder halten die Arme beim Mopedfahren so, dass die Innenseiten nach oben zeigen. Oder… Nur meine Mitbewohnerin Borey nicht. Sie mag ihre Haut und möchte nichts an ihr ändern. Und ich finde sie und ihre Haut schön.

Schön war auch der gestrige Tag, den wir bei einer Familie aus der Gegend verbringen durften. Am Wochenende hat nämlich jeder frei und in Croap ist nichts los. So fuhren wir mit den hier heißgeliebten Mopeds vormittags über winzige Trampelpfade in die absolute Pampa, wo uns die Familie (die Eltern arbeiten beide in Croap) schon begrüßte. Das Haus war klein, mit Wellblech als Dach, Erde als Boden und einem Klo, das nur ein Loch im Boden war. Wenn ich zu Hause gesehen hätte, dass jemand so wohnt, wäre ich sehr bestürzt gewesen, aber hier ist das normal. Und wie ich festgestellt habe, habe ich mich ziemlich schnell daran gewöhnt. Dann war es auch schon so weit und wir fingen an zu kochen. Es gab Reis (wie immer), Huhn, Rind, Gemüse, Obst und kambodschanisches Bier, das mir erstaunlich gut schmeckte. Außerdem habe ich zum ersten Mal in fast zwei Jahren wieder Fleisch gegessen. Es war ein richtiges kleines Festmahl, und alle waren bester Laune. Ich war ziemlich erstaunt, als ich gesehen habe, dass der Mann einen Verstärker, einen riesigen Lautsprecher und ein Mikrofon anschleppte. Bald schon wurde abwechselnd mit viel Herzblut unter freiem Himmel Karaoke gesungen. Das kam mir irgendwie surreal vor, mitten in der kambodschanischen Pampa am Boden zu sitzen, zwischen Kühen, lieben Menschen deren Sprache ich nicht verstehe und hunderten von Fliegen und Karaoke zu singen, ganz ähnlich wie im Musikunterricht in der Schule. Aber surreal oder nicht, ich nahm alles in mich auf und werde den Tag als wunderschön in Erinnerung behalten. Auf dem Rückweg war ich von einer tiefen Dankbarkeit erfüllt.

Heute bin ich dankbar für das Karaoke singen, den Regen und die wunderschöne Natur hier.

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Von Koi und Kühen

Hallo ihr Lieben,

Jetzt bin ich noch nicht mal 24h in Kambodscha und habe trotzdem schon das Bedürfnis hier von meiner Reise und meiner Zeit in Phnom Penh zu erzählen. Kleiner Disclaimer: dieser Eintrag ist etwas länger

Angefangen hat alles am Sonntag, dem 1. September indem ich noch eine schöne Zeit mit meiner Familie verbracht habe, die mir das Weggehen gleichzeitig schwerer und leichter gemacht hat. Ich werde alle sehr vermissen, weiß aber, dass sie mir nahe sind, auch wenn die halbe Welt zwischen uns liegt. Danach fuhren meine Eltern mit mir zum Flughafen nach Wien und nach dem Abschied saß ich auch schon bald in meinem Flieger nach Bangkok. Neben mir saß ein Doktor aus Thailand, ein Herr namens Wii-Chang, mit dem ich bald ins Gespräch kam, da er gerade einen Arztkongress in Graz besucht hatte und, wie er sagte, extrovertiert war. Dies bewies er mir kurz darauf, indem er mich den während des Abflugs ein bisschen volllaberte. Das hatte allerdings den Vorteil, dass ich gar nicht die Möglichkeit hatte, mich zu fragen, was ich mir eigentlich dabei gedacht hatte, ein Jahr wegzugehen. So abgelenkt und dem entsprechend entspannt verbrachte ich also meinen Flug. Am Flughafen in Bangkok, half mir Wii-Chang außerdem den Weg zu finden (hier ein kleines shoutout). Bald saß ich also im Flieger von Bangkok und Phnom Penh und erlebte zum ersten Mal, vielleicht überhaupt, wie es war die Minderheit zu sein: im Flieger waren außer mir vielleicht noch drei, vier andere weiße Personen. Ein ungewohntes Gefühl.

Als ich schließlich aus dem Flughafen kam, wartete bereits Santiago, ein Spanier und mein Projektleiter, sowie die Luftfeuchtigkeit auf mich. Auffallend waren auch die vielen Muslime und Musliminnen am Flughafen, die scheinbar auf Verwandte warteten. Auffallend deshalb, weil Muslime in Kambodscha eigentlich eine Minderheit sind und richtige Menschentrauben die Straßen verstopften. Die Frauen trugen alle Hijabs, in allen Farben des Regenbogens und mit schillernden Steinen geschmückt.

Die nächste Erfahrung, die ich gemacht habe, war der Verkehr. Der ist hier der absolute Wahnsinn, jeder fährt irgendwie, sichtbare Regeln gibt es keine. Man hupt, wenn man überholen will und damit man nicht überfahren wird, Fußgänger sind ein seltener Anblick. Trotz allem gewöhnt man sich ziemlich schnell an die Fahrweise und es dauerte nicht lange, da waren wir in der richtigen Nachbarschaft angekommen: Ein bisschen heruntergekommen, Wellblechhäuser stehen hier neben welchen aus Beton und Müll liegt herum. Aber auch viele Pflanzen, vor allem Palmen wachsen hier und hin und wieder schmückt eine Hollywoodschaukel den Hauseingang. Außerdem auffallend: Die Werbungen für „Ganzberg – premium german beer“ (Tipp: ist nicht deutsch) und die gefühlt Millionen Stromkabel, die hier in der Luft hängen. Hier also liegt „Prieb So“, die Kommunität der Jesuiten in Phnom Penh, in der ich heute geschlafen und den Vormittag verbracht habe. Heute in der Früh hat mich eine Mischung aus Vogelgezwitscher, Straßenlärm, zirpenden Grillen, Kinderrufen, Hahnengeschrei und Gebetsrufen (von einem Muezzin oder einer der buddhistischen Pagoden weiß ich nicht), geweckt. Ungewohnt, aber definitiv besser als ein Handywecker.

Beim Frühstück gab es unter anderem „Real fresh milk from european farms“ wahlweise auch aus Kanada, Neuseeland oder Australien, wie ich mir hab sagen lassen. So multikulti wie das Essen am Frühstückstisch sind auch die BewohnerInnen und Gäste des Hauses; heute haben hier Menschen aus Kambodscha, Vietnam, Thailand, Südkorea, Japan, Deutschland, Spanien, Frankreich und Österreich geschlafen. Nach dem Frühstück hat mir Thomas, ein Deutscher, der bereits seit drei Jahren hier in der Jesuitenmission lebt und arbeitet eine Hausführung gegeben. Er hat mir freundlicherweise viel über Kambodscha erzählt. Danach hab ich mich mit einem Japaner unterhalten, von dem ich dachte, dass er ein Jesuit in Ausbildung sei. Es stellte sich heraus, dass es ein Psychologiestudent war der einfach noch keinen Plan hat, was er jetzt machen möchte. Sympathisch irgendwie.

Dann lernte ich Marie kennen, meine Mitfreiwillige für die nächsten drei Monate. Sie kommt aus Frankreich, ist 22 Jahre alt und studiert Landwirtschaft. Sie wird auch in CROAP leben, aber auf der ein bisschen entfernten Demonstration Farm arbeiten. Thomas ging mit Marie und mir in das „Craft Peace Café “. Dieses Café wird von den Jesuiten betrieben, um dort die Gegenstände zu verkaufen, die Menschen mit körperlicher Behinderung in einem anderen Projekt der Jesuiten, Banteay Prieb, herstellen. Von wunderschönen Schnitzereien bis zu selbstgenähten Kromas ist alles dabei. Leider muss das Café wahrscheinlich bald zu sperren, da sie Verluste machen.

Wieder zurück in Prieb So haben wir die Koifische im Gartenteich gefüttert und dann gab es Mittagessen. Als Nachspeise gab es Früchte die ich noch nie gesehen geschweige denn gegessen hab und sie haben köstlich geschmeckt. Ich habe der Köchin, da sie kein Englisch spricht, ausrichten lassen, dass es gut geschmeckt hatte, und sie antwortete, dass ich schöne Zähne hätte. Sie hat übrigens keine.

Nach eine kurzen Siesta ging es dann für Santiago, Marie und mich, nachdem wir uns für die liebe Gastfreundschaft der wirklich freundlichen Menschen dort bedankt hatten, weiter nach K. Chhang, wo wir heute übernachten werden. Auf der Fahrt hierher sind mir einige Dinge aufgefallen: Wir sind entlang des tonle sap rivers vorbei an Straßenständen und Häusern aus Wellblech vorbeigefahren, an Pagoden und imposanten Bankgebäuden, an Häusern auf Stelzen, manchmal mit Hängematten dazwischen. Vorbei an leuchtenden Reisfeldern, kleinen Pagoden in gold, grün und rot sowie unzähligen Bierwerbungen für „german premium beer“. Vorbei an den Massen an Müll, der hier überall liegt und den Straßenhunden, den Hühnern und den abgemagerten weißen Kühen, die darin nach etwas Essbarem suchen. Und mir zieht‘s das Herz ein bisschen zusammen.

Jetzt bin ich also hier, und morgen fahren wir nach Pursat zu meinem Projekt, dem Ort, an dem ich ein Jahr leben und arbeiten werde.

P.S. Ich habe mir vorgenommen, jeden Eintrag mit etwas zu beenden wofür ich dankbar bin, also: Ich bin dankbar für die freundlichen Menschen hier und die Gastfreundschaft die ich bereits erfahren durfte. Ich bin dankbar für die fremden Früchte, das Koifischfüttern und Marie. Außerdem bin ich dankbar für die Möglichkeit, diese Erfahrungen machen zu dürfen.

P.P.S. ich weiß, dass war ein langer Eintrag, aber ich hatte einfach sehr viele Eindrücke zu verarbeiten.

Hervorgehobener Beitrag

„Baba“

Herzlich willkommen zu meinem ersten Eintrag!

Ich will euch ein bisschen erzählen, wie ich meine letzten Wochen vor dem Abflug noch zu Hause verbracht habe.

Mitte Juli hatte ich das große Glück, ein paar Tage in Passau bei jener Frau zu verbringen, die „mein“ Projekt in Kambodscha mitgegründet hat: Irmgard Paulik. Ich durfte sie zwei Tage in die Ilztalschule (https://www.ilztalschule.de/) begleiten, in der ich Montessori-Materialien und -Pädagogik ein bisschen kennenlernen konnte. Das war insofern hilfreich, da in dem Soriya Learning Center, bei dem ich mitarbeiten werde, auch mit Montessoripädagogik gearbeitet wird. Zudem hatte ich die einmalige Chance, Irmgard mit Fragen zu Kambodscha und dem Projekt zu löchern. Im Jänner wird sie mit einigen ihrer Schülerinnen und Schüler das Projekt besuchen und ich freue mich jetzt schon!

Von Passau aus ging es weiter nach Nürnberg zum letzten Vorbereitungsseminar. Es war wie immer schön die anderen Mitfreiwilligen und die Betreuerinnen wiederzusehen und noch einige wichtige Impulse vor der Ausreise zu bekommen. Die abschließende Abschlussfeier war auch sehr schön und ich war überrascht wie sehr mir der Abschied von den anderen nahegegangen ist; eigentlich hatten wir uns nur ein paar Mal gesehen, aber ich denke, dass uns die Vorbereitungen auf das nächste Jahr einfach nahegebracht haben.

Die JesuitVolunteers 2019/20

Am Tag nach meiner Rückkehr aus Nürnberg ging es für mich gleich weiter zum Pfadfinderlager nach Rovinj wo ich eine schöne Zeit mit meinen Freundinnen und Freunden verbracht habe, baden, klettern und Lagerfeuer inklusive.

Lagerfeuer am Pfadilager

Wieder zu Hause in Graz ging es mit den finalen Vorbereitungen los, ab und zu unterbrochen von Treffen mit FreundInnen und Zeit mit der Familie. So ein Auslandsjahr ist dann doch ein großer organisatorischer Aufwand und ständig tauchten noch Dinge auf, die erledigt oder besorgt werden wollten.

Letzten Freitag feierte ich dann gemeinsam mit einer lieben Freundin von mir unsere gemeinsame Geburtstags/Abschiedsparty, da wir beide 18 geworden sind und sie in eine andere Stadt zieht um dort zu studieren. Es war sehr schön so viele Leute noch ein letztes Mal zu sehen und gemeinsam einfach nochmal Spaß zu haben.

Jetzt sind es nur noch 5 Tage zu meiner Abreise und die Zeit bis dorthin werde ich noch mit meinen FreundInnen, meiner Familie und Khmer lernen verbringen.

Ich blicke meiner Abreise zwar mit gemischten Gefühlen entgegen, aber die Vorfreude überwiegt eindeutig. Die Zeit ist auch einfach reif; noch länger will und kann ich mich nicht mehr vorbereiten. Ich bin bereit.

Baba, Graz. Ich wird dich vermissen!

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