Von Lemon Grass und Klimawandel

Hallo ihr Lieben,

Heute möchte ich euch ein bisschen von dem Alltag erzählen, der sich langsam bei mir einstellt und einige Gedanken mit euch teilen.

Nach dem Frühstück (meistens Reis) geht es um acht mit der Arbeit los. Das bedeutet für mich vormittags, dass ich in der Montessorischule arbeite. Entweder übersetze ich Dokumente vom Deutschen ins Englische oder helfe der Lehrerin Siny und den beiden Lehrerassistentinnen dabei, kaputte Materialien zu reparieren. Um Punkt 12 gibt es Mittagessen (wieder Reis, Fleisch und Gemüse) und dann ist Mittagspause bis halb 2 oder 2. Nachmittags habe ich vergangene Woche mit den Frauen der Women’s Group gearbeitet. Jeden Tag waren wir auf dem Hof einer anderen Bäuerin und haben ihr geholfen Reis zu pflanzen. Das ist zum Teil ziemlich anstrengend, vor allem wenn es heiß ist. Trotzdem macht es mir Spaß, einerseits weil die Frauen so unglaublich fröhlich sind und andererseits finde ich es spannend, mehr über die Pflanzen hier zu lernen. Außerdem gehe ich zum ersten Mal in meinem Leben über einen längeren Zeitraum einer körperlichen Arbeit nach, da ich die letzten 12 Jahre ja „nur“ in der Schule gesessen bin. Die Feldarbeit ist also eine neue Erfahrung für mich und ich bin dankbar, dass ich sie machen darf. Sie lässt mich noch mehr Respekt für Bäuerinnen und Bauern empfinden, egal ob in Kambodscha oder Österreich. Um 5 ist Arbeitsende und bis 6 ist dann Freizeit, die viele zum Sport machen nutzen. Ich bin ehrlicherweise nach der Arbeit am Feld oft zu müde dafür. Nach dem Abendessen (richtig getippt, wieder Reis) haben Marie und ich noch Khmer Unterricht. Dann sind die Pflichten für den Tag vorbei und nach etwas tratschen und tanzen mit meinen Mitbewohnerinnen und Marie falle ich meistens schon um 9 ins Bett.

Letzte Woche waren Marie und ich mit beim Gottesdienst. Der wird, da die Kirche in Pursat gerade renoviert wird, in einer Schule gefeiert, die von koreanischen Schwestern geführt wird. Auch der Priester kommt aus Korea und hat uns nett begrüßt. Der Gottesdienst dann war natürlich auf khmer, genauso wie die Lieder. Deshalb habe ich natürlich nichts verstanden. Das und der Fakt, dass in einem Neonlicht erleuchtetem Raum auf dem Fußboden gefeiert wurde, führten dazu, dass es sich für mich nicht wirklich wie ein Gottesdienst angefühlt hat. Aber die Lieder waren schön und als Marie und ich uns kurz vorstellen sollten, hatten die SchülerInnen der Schule eine kleine Überraschung für uns. Sie gaben uns selbstgebastelte Papierblumen, ein oranges Wollarmband, mit buddhistischer Bedeutung und haben ein englisches Lied für uns gesungen, was mich berührt hat.

Was ich in meiner kurzen Zeit hier auch bereits beobachten konnte, ist, dass die Bäuerinnen und Bauern hier schon jetzt stark vom Klimawandel betroffen sind. Manche konnten ihren Reis bisher nicht pflanzen, da es eine Dürre gab. Erst jetzt kommt langsam der Regen – normalerweise ist die Regenzeit von Mai bis Oktober. Man hat uns auch gesagt, dass zwei Wochen vor unserer Ankunft noch alles hier in Croap braun war. Nur wenige Kilometer weiter jedoch haben starke Überschwemmungen den frisch gepflanzten Reis sterben lassen. Letzte Woche haben wir einige Bauern in umliegenden Dörfern besucht, die auch die SRI-Methode anwenden. Mir ist dabei klar geworden, dass es einen riesen Unterschied macht, ob man in Österreich über den Klimawandel redet oder vor dem zerstörten Feld einer armen Bäuerin steht. Denn arm sind die Menschen hier, besonders am Land. Und Kambodscha leidet wie viele andere arme Länder besonders stark unter den Folgen des Klimawandels.

Ähnlich wie in meinem letzten Blogpost will ich auch heute ein bisschen über Hautfarben reden, ganz einfach, weil dieses Thema hier omnipräsent ist. Am Donnerstag waren wir auf einer Art Ausstellung/Markt, bei der Bioprodukte präsentiert wurden. Das ist hier etwas richtig Besonderes. Auch wir waren dort mit unserem Reis vertreten. Ihr glaubt nicht wie viele Fotos mit Marie und mir gemacht wurden! Oder auch von uns, und sie denken wir merken es nicht. Ganz einfach, weil AusländerInnen hier so ein seltener Anblick sind. Oder die Frauen bei der Feldarbeit – wie schockiert sie waren, dass Marie und ich nicht komplett vermummt daher gekommen sind. Aber wieso sollten wir – uns ist es schließlich egal, ob wir braun werden, kein sozialer Druck ist für uns mit Sommerbräune verbunden. Außerdem sagen sie uns oft, dass wir schön sind. Aber finden sie uns schön oder unsere Haut? Gestern hat Vanny zu mir gesagt: „You are a simple girl. You don’t care if somebody is black or white.” Kurz davor hat sie ungläubig gelacht, als ich ihr gesagt habe, dass ich auch dunkelhäutige Menschen schön finde. Es ist manchmal so frustrierend, weil sie einfach nicht glauben können, dass sie trotz ihrer dunkleren Hautfarbe ehrlich schön sind. Trotzdem werde ich nicht aufhören, es ihnen zu sagen, vielleicht lassen sie es irgendwann ein bisschen zu und lachen nicht mehr ungläubig.

Heute bin ich dankbar für die Mopedfahrten, das Tanzen mit den Mädels, das Lemongrass anpflanzen und Drachenfrüchte.

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