Hallo ihr Lieben,
Mein letzter Beitrag ist bereits zwei Monate her und seitdem unglaublich viel passiert. So hatte ich Besuch von meiner Schwester und meinem Schwager und das Zwischenseminar in Kampot hat stattgefunden. Aber alles der Reihe nach.
Anfang Februar gab es endlich das lang ersehnte Wiedersehen mit Teresa, einer meiner Schwestern und Florian, ihrem Mann. Ich habe die beiden in Phnom Penh vom Flughafen abgeholt und war erstaunlich emotional. Das hat mich überrascht, weil ich bis dahin eigentlich nicht wirklich Heimweh hatte. Aber in dem Moment, in dem ich sie wiedergesehen habe, ist mir wohl erst bewusst geworden, wie sehr ich sie vermisst habe. Wir haben unsere Reise in Phnom Penh gestartet und ein paar schöne Tage in der Hauptstadt verbracht. Danach ging es weiter nach Croap, was mir persönlich sehr wichtig war. So konnten Teresa und Florian den Ort kennenlernen, den ich hier mein Zuhause und die Menschen, die ich meine kambodschanische Familie nennen darf. Ich habe ihnen das Gelände gezeigt, sie waren in der Schule dabei und haben mit den Kindern gespielt, wir haben selbst Khmer Cake gemacht und uns auf der Demonstration Farm umgesehen. Zeitgleich waren auch Judith Behnen von der Jesuitenmission Nürnberg und Katrin Morales von der Jesuitenmission Wien zu Besuch, was mich sehr gefreut hat.
Nach Pursat ging es für uns weiter nach Siem Reap, wo wir vor allem Angkor besucht haben. Für mich war es bereits das zweite Mal, die beeindruckenden Ruinen zu sehen, dennoch haben sie mich, wie beim ersten Mal auch, komplett in ihren Bann gezogen. Außerdem war es spannend, mit Florian einen Architekten mit auf der Reise zu haben, der natürlich noch einmal auf ganz andere Dinge achtet. Abends ging es für uns noch in das Hard Rock Café Angkor, wo wir ein extrem gutes Live Concert einer Cover Rockband erleben durften und, mit dem gesamten Personal dort, zum Teil headbangend, abgegangen sind. Ein besonderer Tag!
Nach Siem Reap ging es für uns drei weiter nach Battambang, meiner Lieblingsstadt hier. Battambang zeichnet sich für mich vor allem dadurch aus, dass man zu Fuß gehen kann, ohne überfahren zu werden und, dass es dort ein verhältnismäßig großes Kulturangebot gibt. So gingen wir in eine Kunstaustellung und in den Zirkus. Beides kenne ich bereits und wollte es auch Tesi und Flo zeigen. Außerdem gibt es viele von NGOs geführte Shops und nette Cafés. Ein besonderes Highlight war für uns „Seeing Hands“, eine NGO, bei der man von blinden KambodschanerInnen massiert wird, die aufgrund ihrer Behinderung Schwierigkeiten hätten, einen Job zu finden.
Von Battambang aus ging es für uns dann einen ganzen Tag lang im Bus in den Süden nach Sihanoukville. Sihanoukville ist anders als jede Stadt, die ich in meinem Leben je gesehen habe. Ich wusste bereits aus Erzählungen, dass die Stadt seit ein paar Jahren von chinesischen Investoren praktisch aufgekauft wurde und überall Casinos und riesige Luxus-Resorts gebaut wurden. Die Ausmaße habe ich mir aber beim besten Willen nicht vorstellen können: Die gesamte Stadt gleicht einer einzigen, riesigen Baustelle und überall liegt Müll herum. Zum Glück hatten wir nicht vor dort zu bleiben, sondern fuhren mit dem Boot zum letzten Stopp unserer Reise: Koh Rong Samloeun, eine Insel im Golf von Thailand vor der Küste Kambodschas. Die Zeit auf der Insel war wunderschön: der Strand, das Essen, die lieben Leute, unsere gemütliche Unterkunft direkt am Strand… einzig und allein der Müll trübte meine gute Laune und so habe ich jeden Tag ca. 1 – 2 Stunden Plastik vom Strand eingesammelt. Das ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein aber jedes Stück Plastik, dass nicht in „meinem“ geliebten Meer landet, ist schon ein kleiner Erfolg. Zwei Highlights waren außerdem das Schnorcheln in einem wunderschönen Korallenriff und das nächtliche Schwimmen mit fluoreszierendem Phytoplankton. Wie immer, wenn ich am Meer bin, ist in mir wieder der Wunsch laut geworden, Meeresbiologie zu studieren…
Unsere bis dahin durch und durch schöne Reise bekam aber am Ende noch einen Dämpfer: Teresa hatte eine Lebensmittelvergiftung und so mussten wir, nach einer schlimmen Busfahrt von Sihanoukville nach Phnom Penh, dort ins Royal Hospital. Zum Glück hatten die beiden eine Reiseversicherung abgeschlossen, die für die Krankenhausrechnung und den um einen Tag verschobenen Flug aufkam. Ich bin sehr froh, dass das erst am Ende unserer Reise passiert ist. Dennoch habe ich mir solche Sorgen gemacht, dass ich darüber den Abschied verdrängt habe und dieser mich und auch Teresa und Flo ein bisschen überrumpelt hat. Auch wenn es natürlich nicht stimmt, bin ich nämlich, gefühlt alleine, zurückgeblieben und das für ein weiteres halbes Jahr. Trotz allem war es aber eine absolut schöne Reise: Wir haben viel erlebt und es war einfach toll, einen Teil meiner Familie um mich zu haben und über alles Erlebte reden zu können.
Damit es hier nicht zu lange wird, folgt mein Bericht über das Zwischenseminar in Kampot in einem separaten Blogeintrag in Kürze.
Heute bin ich dankbar für Teresa und Florian, das Schwimmen mit dem Leuchtplankton und, dass ich das alles hier erleben darf, das Schöne und auch das weniger Schöne.

khmer cake machen 
die cakes werden dampfgegart 
in der kunstaustellung in battambang – gemalt auf verbranntem holz 

entspannt nach der massage 
in angkor wat 
sihanoukville 

nach dem baden 
„ausbeute“ nach nur einer halben stunde sammeln. die flasche ist voll mit kleinem plastik 
am strand hatte ich auch zeit etwas zu malen 
sonnenuntergang auf der insel
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