Von Tuk Tuks und Tempeln

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich euch ein bisschen von meiner letzten Woche erzählen, die ich in Siem Reap verbracht habe. Die letzten Tage hatte das Pchum Ben Fest, das Fest der Vorfahren (falls es jemanden genauer interessiert hier mehr dazu: https://www.visit-angkor.org/de/2017/09/17/pchum-ben-fest-vorfahren-kambodscha/ ) seinen Höhepunkt und niemand war in meinem Projekt, da alle ihre Familien besuchten. Daher nutzten Marie und ich die Möglichkeit und fuhren mit dem Bus nach Siem Reap, um dort gemeinsam mit Matze und zwei seiner Mitfreiwilligen ein paar Tage zu verbringen. Matze ist auch Jesuit Volunteer und lebt und arbeitet für ein Jahr in Sisophon. Zu seinem Blog geht es hier: https://matthiaswind.home.blog/2019/09/07/good-morning-cambodia/

Am ersten gemeinsamen Abend in Siem Reap besuchten wir eine schöne internationale Messe und gingen dann zum Italiener essen. Marie und ich kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus: alles sah so reich und so gepflegt aus! Es gab Gehsteige, richtige Straßenbeleuchtung und im Restaurant Messer!! Bis auf die paar Stunden in Phnom Penh zu Beginn unserer Reise konnten wir bisher Kambodscha nur von seiner ärmlichen und ländlichen Seite kennenlernen. Gleichzeitig dachten wir, dass die ganzen Touristen, die meistens nur ein paar Tage in Siem Reap verbringen und dann weiter nach Thailand oder Vietnam reisen, ein völlig einseitiges Bild von diesem Land haben.

Die nächsten Tage unternahmen wir viele tolle Sachen: Wir gingen auf große und kleine Märkte, schlenderten durch Pub Street und genossen das Frühstück im Hotel, das nicht aus Reisbrei und gegrilltem Fisch bestand. Immer wieder wurden wir bei unseren Unternehmungen positiv überrascht. So wollten wir einmal einen botanischen Garten besuchen und landeten schließlich in einem Resort, das Bio und nachhaltige Produkte wie etwa Gewürzmischungen, Tees, Kosmetika und Seifen herstellt. Wir bekamen dort eine gratis Führung, konnten den MitarbeiterInnen bei den verschiedenen Arbeitsschritten zusehen und alles ausprobieren. Ein andermal buchten wir eine Guided Tour zu Kompong Phluk, eines der schwimmenden Dörfer rund um Siem Reap. Zu unserer großen Freude waren Matze, Marie und Ich die einzigen, die sich dafür angemeldet hatten und wir bekamen eine sehr persönliche Führung. Auf dem Rückweg bekamen wir von unserem Guide dann eine richtig spannende Geschichtsstunde und redeten über die politische Lage in Kambodscha. Dazu werde ich auch einmal einen Blogeintrag schreiben. Beim Besuch des Dorfes selbst kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus; die Vorstellung wie die Menschen die unzähligen Häuser mitten im Wasser gebaut hatten faszinierte mich. Wir fuhren mit unserem Boot durch einen schwimmenden Wald (alle die mich kennen, wissen, dass die Kombination aus Bäumen und Wasser fast schon zu viel für mich war), hielten bei einer Krokodilfarm (leider vieeel zu kleine Käfige ☹) und landeten anschließend am Tonle Sap, dem größten See Südostasiens. So schön es war, so fühlte sich der Besuch doch seltsam an. Fotografierten wir nicht einfach die Häuser der Leute? Fühlten sie sich nicht wie Tiere im Zoo wenn die bunten Booten riesige Zahlen an Touristen mitsamt ihren (Handy)kameras ausspuckten? So wie in Kompong Phluk fühlten Matze, Marie uns Ich unsere gesamte Zeit in Siem Reap. Wir waren gekommen um ein Jahr hier zu leben, auf Augenhöhe mit den Menschen und fühlten uns in der Rolle der Touristen ein wenig unwohl. Also probierten wir, „achtsame“ Touristen zu sein: Wir bedeckten immer Schultern und Knie, machten von unseren bisherigen Khmer-Kenntnissen Gebrauch, zogen, wie wir es von Pursat gewohnt waren, in Geschäften unsere Schuhe aus und verwendeten die gleiche Tuk Tuk App wie die Locals. Die Reaktionen waren oft ein angenehm überraschtes Lachen und wir fühlten uns gleich ein wenig wohler. Am Donnerstag standen Marie und Ich dann um 4:20 auf, um vor Sonnenaufgang nach Angkor Wat zu fahren. Die Stadt Angkor ist vieeeel größer als nur der bekannteste Tempel Angkor Wat. Den besuchen nämlich jeden Tag unzählige Touristen von der Westseite aus um Sonnenaufgangsfotos zu machen. Wir waren auch dort, aber an der Ostseite und hatten daher den gesamten Tempel samt Sonnenaufgang fast für uns allein. Weiter ging es für uns zu Fuß, nicht mit Moto, Auto oder Bus, wie es die meisten anderen machen. Wir waren zwar langsamer, konnten aber deshalb Angkor ganz anders erleben: wir gingen auf Trampelpfaden im Dschungel zu den verschiedenen Tempeln, hatten schöne Plätze für uns allein und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Vorstellung, mit welch einfachen Mittel die Tausenden Arbeiter diese Monumente geschaffen hatten, haute mich, kurz gesagt, komplett um. Einer der bekanntesten Tempel ist der Ta Prohm, auch Dschungeltempel genannt. Marie und ich sind nichtsahnend über ein paar Steine geklettert und standen auf einmal inmitten der Tempelanlage. Ich habe selten etwas so absolut beeindruckendes gesehen: Riesige, uralte Bäume verwenden die Tempel als Spielplatz. Die Wurzeln liegen offen und sehen aus wie Tentakel eines riesigen Tiefsee Tintenfischs. Lianen schlingen sich um die Steine und überall fliegen Schmetterlinge umher. Das einzige, das die Magie dieses Ortes massiv stört, sind die Menschenmassen. Genauer: chinesische Touristengruppen. Die machten zum Teil Fotos mit Marie und mir, wenn sie nicht von Baum zu Baum hetzten um nach einem Foto weiter zu rennen. Dennoch fanden Marie und ich einen Platz inmitten der Tempel und Bäume, an den sich für 5 Minuten niemand verirrte. Diese paar Minuten werde ich immer in Erinnerung behalten.

Nach einer Woche voller Entspannung, Staunen, TukTukfahrten und schönen Begegnungen hatten Marie und ich überrascht festgestellt, schon Sehnsucht nach unserem Zuhause (!) und den Menschen hier zu haben. Umso netter war es, noch die restlichen Feiertage mit Vanny, Borey und ein paar anderen zu verbringen, bevor morgen wieder die Arbeit losgeht.

Heute bin ich dankbar für die Bäume in Angkor, die Ergebnisse der Nationalratswahl und meine Freunde hier.

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