Hallo ihr Lieben,
Jetzt bin ich noch nicht mal 24h in Kambodscha und habe trotzdem schon das Bedürfnis hier von meiner Reise und meiner Zeit in Phnom Penh zu erzählen. Kleiner Disclaimer: dieser Eintrag ist etwas länger
Angefangen hat alles am Sonntag, dem 1. September indem ich noch eine schöne Zeit mit meiner Familie verbracht habe, die mir das Weggehen gleichzeitig schwerer und leichter gemacht hat. Ich werde alle sehr vermissen, weiß aber, dass sie mir nahe sind, auch wenn die halbe Welt zwischen uns liegt. Danach fuhren meine Eltern mit mir zum Flughafen nach Wien und nach dem Abschied saß ich auch schon bald in meinem Flieger nach Bangkok. Neben mir saß ein Doktor aus Thailand, ein Herr namens Wii-Chang, mit dem ich bald ins Gespräch kam, da er gerade einen Arztkongress in Graz besucht hatte und, wie er sagte, extrovertiert war. Dies bewies er mir kurz darauf, indem er mich den während des Abflugs ein bisschen volllaberte. Das hatte allerdings den Vorteil, dass ich gar nicht die Möglichkeit hatte, mich zu fragen, was ich mir eigentlich dabei gedacht hatte, ein Jahr wegzugehen. So abgelenkt und dem entsprechend entspannt verbrachte ich also meinen Flug. Am Flughafen in Bangkok, half mir Wii-Chang außerdem den Weg zu finden (hier ein kleines shoutout). Bald saß ich also im Flieger von Bangkok und Phnom Penh und erlebte zum ersten Mal, vielleicht überhaupt, wie es war die Minderheit zu sein: im Flieger waren außer mir vielleicht noch drei, vier andere weiße Personen. Ein ungewohntes Gefühl.
Als ich schließlich aus dem Flughafen kam, wartete bereits Santiago, ein Spanier und mein Projektleiter, sowie die Luftfeuchtigkeit auf mich. Auffallend waren auch die vielen Muslime und Musliminnen am Flughafen, die scheinbar auf Verwandte warteten. Auffallend deshalb, weil Muslime in Kambodscha eigentlich eine Minderheit sind und richtige Menschentrauben die Straßen verstopften. Die Frauen trugen alle Hijabs, in allen Farben des Regenbogens und mit schillernden Steinen geschmückt.
Die nächste Erfahrung, die ich gemacht habe, war der Verkehr. Der ist hier der absolute Wahnsinn, jeder fährt irgendwie, sichtbare Regeln gibt es keine. Man hupt, wenn man überholen will und damit man nicht überfahren wird, Fußgänger sind ein seltener Anblick. Trotz allem gewöhnt man sich ziemlich schnell an die Fahrweise und es dauerte nicht lange, da waren wir in der richtigen Nachbarschaft angekommen: Ein bisschen heruntergekommen, Wellblechhäuser stehen hier neben welchen aus Beton und Müll liegt herum. Aber auch viele Pflanzen, vor allem Palmen wachsen hier und hin und wieder schmückt eine Hollywoodschaukel den Hauseingang. Außerdem auffallend: Die Werbungen für „Ganzberg – premium german beer“ (Tipp: ist nicht deutsch) und die gefühlt Millionen Stromkabel, die hier in der Luft hängen. Hier also liegt „Prieb So“, die Kommunität der Jesuiten in Phnom Penh, in der ich heute geschlafen und den Vormittag verbracht habe. Heute in der Früh hat mich eine Mischung aus Vogelgezwitscher, Straßenlärm, zirpenden Grillen, Kinderrufen, Hahnengeschrei und Gebetsrufen (von einem Muezzin oder einer der buddhistischen Pagoden weiß ich nicht), geweckt. Ungewohnt, aber definitiv besser als ein Handywecker.
Beim Frühstück gab es unter anderem „Real fresh milk from european farms“ wahlweise auch aus Kanada, Neuseeland oder Australien, wie ich mir hab sagen lassen. So multikulti wie das Essen am Frühstückstisch sind auch die BewohnerInnen und Gäste des Hauses; heute haben hier Menschen aus Kambodscha, Vietnam, Thailand, Südkorea, Japan, Deutschland, Spanien, Frankreich und Österreich geschlafen. Nach dem Frühstück hat mir Thomas, ein Deutscher, der bereits seit drei Jahren hier in der Jesuitenmission lebt und arbeitet eine Hausführung gegeben. Er hat mir freundlicherweise viel über Kambodscha erzählt. Danach hab ich mich mit einem Japaner unterhalten, von dem ich dachte, dass er ein Jesuit in Ausbildung sei. Es stellte sich heraus, dass es ein Psychologiestudent war der einfach noch keinen Plan hat, was er jetzt machen möchte. Sympathisch irgendwie.
Dann lernte ich Marie kennen, meine Mitfreiwillige für die nächsten drei Monate. Sie kommt aus Frankreich, ist 22 Jahre alt und studiert Landwirtschaft. Sie wird auch in CROAP leben, aber auf der ein bisschen entfernten Demonstration Farm arbeiten. Thomas ging mit Marie und mir in das „Craft Peace Café “. Dieses Café wird von den Jesuiten betrieben, um dort die Gegenstände zu verkaufen, die Menschen mit körperlicher Behinderung in einem anderen Projekt der Jesuiten, Banteay Prieb, herstellen. Von wunderschönen Schnitzereien bis zu selbstgenähten Kromas ist alles dabei. Leider muss das Café wahrscheinlich bald zu sperren, da sie Verluste machen.
Wieder zurück in Prieb So haben wir die Koifische im Gartenteich gefüttert und dann gab es Mittagessen. Als Nachspeise gab es Früchte die ich noch nie gesehen geschweige denn gegessen hab und sie haben köstlich geschmeckt. Ich habe der Köchin, da sie kein Englisch spricht, ausrichten lassen, dass es gut geschmeckt hatte, und sie antwortete, dass ich schöne Zähne hätte. Sie hat übrigens keine.
Nach eine kurzen Siesta ging es dann für Santiago, Marie und mich, nachdem wir uns für die liebe Gastfreundschaft der wirklich freundlichen Menschen dort bedankt hatten, weiter nach K. Chhang, wo wir heute übernachten werden. Auf der Fahrt hierher sind mir einige Dinge aufgefallen: Wir sind entlang des tonle sap rivers vorbei an Straßenständen und Häusern aus Wellblech vorbeigefahren, an Pagoden und imposanten Bankgebäuden, an Häusern auf Stelzen, manchmal mit Hängematten dazwischen. Vorbei an leuchtenden Reisfeldern, kleinen Pagoden in gold, grün und rot sowie unzähligen Bierwerbungen für „german premium beer“. Vorbei an den Massen an Müll, der hier überall liegt und den Straßenhunden, den Hühnern und den abgemagerten weißen Kühen, die darin nach etwas Essbarem suchen. Und mir zieht‘s das Herz ein bisschen zusammen.
Jetzt bin ich also hier, und morgen fahren wir nach Pursat zu meinem Projekt, dem Ort, an dem ich ein Jahr leben und arbeiten werde.
P.S. Ich habe mir vorgenommen, jeden Eintrag mit etwas zu beenden wofür ich dankbar bin, also: Ich bin dankbar für die freundlichen Menschen hier und die Gastfreundschaft die ich bereits erfahren durfte. Ich bin dankbar für die fremden Früchte, das Koifischfüttern und Marie. Außerdem bin ich dankbar für die Möglichkeit, diese Erfahrungen machen zu dürfen.
P.P.S. ich weiß, dass war ein langer Eintrag, aber ich hatte einfach sehr viele Eindrücke zu verarbeiten.

Die „Hand Gottes“ im Peace Café 
kambodschanische Darstellung Marias+Jesus 
Das Peace Café 
handgemachte Kunst im Peace Café 
Garten in Phnom Penh 
Garten in Phnom Penh

