Von Roten Khmer und Mangrovenbäumen

Nach dem ich so lange nichts mehr von mir hab hören lassen, gibt es jetzt zwei Beiträge knapp hintereinander. Ich möchte euch heute ein bisschen mit der Geschichte der Roten Khmer vertraut machen und über mein Zwischenseminar berichten.

Nach nur einer Woche zurück zu Hause ging es für mich auch schon wieder nach Phnom Penh. Dort traf ich einen Freund aus Graz, der gerade durch Asien reist und gemeinsam mit ihm und meinem Mitfreiwilligen Matze gingen wir ins Tuol Sleng oder auch S-21. Tuol Sleng ist heute ein Museum, war aber unter der Herrschaft der Roten Khmer von 1975 – 1979 das geheime Zentrum eines Netzwerkes von ca. 200 Gefängnissen. Die Insassen dort wurden auf brutalste Weise gefoltert, um Verbrechen zu gestehen, die sie nie begangen hatten und anschließend auf den Killing Fields vor der Stadt ermordet. Schätzungen zufolge waren um die 20.000 Menschen in Tuol Sleng eingekerkert und heute weiß man nur von 12 Überlebenden. Hier noch einige Informationen zu der Schreckensherrschaft der Khmer Rouge: Die Roten Khmer waren eine Guerillabewegung, die unter der Führung von Pol Pot an die Macht kam und das Ziel hatte, die Gesellschaft mit Gewalt in einen extremen Agrarkommunismus zu führen. So marschierten im April 1975 Truppen, die mehrheitlich aus Kindersoldaten bestanden, in Phnom Penh ein, riefen das „Demokratische Kampuchea“ aus und brachten die Stadtbevölkerung durch eine Lüge dazu, die Stadt zu verlassen. So wurden alle Menschen von den Städten aufs Land getrieben und viele überlebten die wochenlangen Märsche nicht. Die Überlebenden wurden gezwungen schwarze Einhaltskleidung zu tragen, jede Individualität wurde mit dem Tod bestraft. Die Menschen wurden zu härtester landwirtschaftlicher Arbeit gezwungen. Geld wurde abgeschafft, Gotteshäuser jeder Religion zerstört, Bücher verbrannt. Beinahe die gesamte intellektuelle Elite wurde umgebracht. Oftmals reichte es schon eine Brille zu tragen, eine Fremdsprache sprechen zu können oder weiche Hände zu haben, da dies dafür sprach, keine körperliche Arbeit zu verrichten. Ausländer und Minderheiten waren noch gefährdeter. Wer ein vermeintlicher Spion war oder sonst nicht in das Bild der Khmer Rouge passte, wurde samt Ehepartnern und Kindern umgebracht, damit es später keine Rachetaten geben konnte. Die „Massensäuberung“ wird auch als Autogenozid bezeichnet, da das eigene Volk umgebracht wurde. Es wurden ein Drittel (!!) der gesamten damaligen Bevölkerung umgebracht. Die Nahrungsversorgung brach durch Misswirtschaft und Fehlplanung zusammen. Im Jänner 1979 stürzten Truppen des wiedervereinigten Vietnams das Pol-Pot-Regime. Pol Pot versuchte von nun an aus dem Untergrund zu regieren und wurde dabei von Thailand, China und den USA unterstützt da sie seine Feindschaft mit Vietnam teilten. Die Khmer Rouge wurden auch nach der Besetzung durch Vietnam von den Vereinten Nationen als legitime politische Vertretung Kambodschas anerkannt.  Es würde zu lange dauern, hier nun zu beschreiben was in den folgenden Jahren geschah. Nur so viel: Viele der höchsten Khmer Rouge Offiziere, Pol Pot eingeschlossen, mussten sich nie einem Gericht stellen. Erst 2009 wurde der erste Prozess vor dem roten Khmer Tribunal eröffnet. 2010, 2012 und 2014 wurde einige namhafte Offiziere wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Roten Khmer sind nach Angaben von Beobachtern immer noch im Untergrund von Kambodscha aktiv, stellen aber für den bestehenden Staat keine unmittelbare Gefahr mehr dar.

So, ich hoffe, ich konnte dadurch etwas über die Roten Khmer aufklären, da ich selbst beispielsweise in der Schule nie etwas über sie gelernt habe und auch praktisch nichts über sie wusste, bevor ich hierhergekommen bin. Wie ihr euch denken könnt, war das Museum sehr aufwühlend und ich war froh, nicht allein dort hingegangen zu sein.

Aber wenden wir uns erfreulicheren Dingen zu: Am Montag ging es für Matze und mich nach Kampot zum Zwischenseminar. Dort waren außer uns noch 15 andere weltwärts-Freiwillige. Alle in meinem Alter oder ein wenig älter, deutsch und sehr lieb. Während des Seminars reflektierten wir über unsere bisherige Zeit hier in Kambodscha, sprachen über Kulturunterschiede und überlegten uns, was wir noch in unserer restlichen Zeit hier machen möchten. Noch wertvoller als die Seminareinheiten waren für mich aber die Gespräche mit den anderen Freiwilligen. Jeder Freiwilligendienst, jedes Projekt ist komplett unterschiedlich und es war toll, sich mit den Anderen auszutauschen. Auch der Seminarort war wunderschön, direkt an einem Fluss, auf dem wir auch kayakfahren waren und am gegenüberliegenden Ufer war ein Nationalpark mit schönen Bergen. Noch etwas war toll am Seminar: Davor habe ich mich nämlich schon sehr auf zu Hause gefreut, was ich zwar immer noch tue, aber jetzt bin ich noch motivierter, meine verbleibenden fünf Monate hier voll auszunutzen und intensiv zu erleben.

Ich hoffe, es geht euch gut!

Heute bin ich dankbar für den Frieden in Österreich, den ersten Regen seit Monaten und meine wiedergefundene Freude an meiner Zeit hier in Kambodscha.

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