Von weißer Haut und dem Mond

Hallo ihr Lieben,

Heute erzähl ich euch ein bisschen über meine bisherigen Erfahrungen als weiße, junge Frau hier, und welche Rolle meine Hautfarbe in meinem Alltag spielt. Weiter unten gibt’s dann ein paar allgemeine Updates.

Wo fange ich nur an? In der Schule beispielsweise fragen sie mich immer mal wieder nach meiner Meinung oder Ideen, die ich gerne mit ihnen teile. Manchmal muss ich sie aber daran erinnern, dass ich keine ausgebildete Lehrerin bin, sondern selbst gerade erst fertig mit der Schule. Ab und zu kommt es sogar vor, dass eine der Lehrerinnen mich fragt, ob es in Ordnung ist, wenn sie eine Pause machen. Dann muss ich sie dann erinnern, dass sie meine Chefin ist und nicht umgekehrt. Auch sonst werden Marie und mir manchmal Dinge zugetraut, die wir gar nicht können, bloß, weil von uns als Ausländerinnen erwartet wird, dass wir sie können. So sollten wir ihnen beispielsweise Budgetpläne erstellen und eine Bibliothek planen. Als wir dann auch noch gebeten wurden, eine Liste mit Dingen zu zusammenzustellen, die wir brauchen, um ein Dach zu reparieren, habe ich Klartext geredet und gemeint, dass ich dafür schlicht unqualifiziert bin. Ich habe erklärt, dass ich mich als Volontärin gerne einbringe so gut ich kann, aber keine spezifische Ausbildung habe und viel mehr von ihnen lerne als sie von mir.

Eigentlich gelingt die Begegnung auf Augenhöhe mit den Menschen in meinem Projekt sehr gut, auch, weil ich ja wie andere direkt im Projekt wohne und auch Teile meiner Freizeit mit ihnen verbringe. Mit Menschen außerhalb des Projekts, die mich nicht kennen, funktioniert das weniger. Die sehen nur, dass ich weiß bin. „Barang“, hör ich manchmal, wenn ich durch die Straßen gehe, „fremd“. Die Blicke sind sowieso immer da. Wenn wir BesucherInnen im Projekt haben, kann es passieren, dass sie sich mehr für Marie und mich interessieren als für andere MitarbeiterInnen. Das ist unfair. Wir arbeiten kürzer hier als alle anderen und trotzdem wurden wir beispielsweise von Mitgliedern der lokalen Regierung eingeladen, beim Water Festival in der Ehrenloge zu sitzen und den Bootsrennen zuzusehen. Dafür haben wir nichts weiter getan, als weiß zu sein und das fühlt sich einfach nicht gut an.

Mir werden aufgrund meiner Hautfarbe bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Kurz: Vorurteile. Damit musste ich mich bisher in meinem Leben noch nicht von dem Standpunkt der Betroffenen auseinandersetzen, weil ich bisher immer an Orten war, wo Menschen mit weißer Haut die klare Mehrheit bildeten. Die Vorurteile, die mir begegnen, sind die meiste Zeit positiv, oder sogar vorteilhaft für mich. Ich empfinde das als so unfair. Wie alle Menschen auf dieser Welt kann ich nichts für die Farbe meiner Haut, es war nicht meine eigene Leistung, weiß zu sein. Nur als Weiße begegnen einem hier fast ausschließlich positive Vorurteile, Menschen mit anderen Hautfarben müssen oft mit ganz anderem Gerede klarkommen. Wie kann das sein? Weiße Menschen sind in so ziemlich jede Ecke der Welt gefahren und haben andere Menschen unterdrückt. Trotzdem ist es hier und an vielen Orten der Erde definitiv ein Vorteil weiß zu sein. Das kann ich nur schwer nachvollziehen.

Klar ist es eine Art Luxusproblem, mit „guten“ Vorurteilen konfrontiert zu sein. Meine Hautfarbe ist ein Vorteil, kein Nachteil. Ich mag aber das Gefühl nicht, etwas zu bekommen, das ich nicht verdient habe. Ich möchte aufgrund meines Handelns Möglichkeiten eröffnet bekommen und nicht wegen der Farbe meiner Haut.

Das wird sich aber nicht so schnell ändern und ich denke ich muss einfach lernen, damit klarzukommen.

Aber genug davon, was gibt es sonst so Neues? Die Schule ist endlich losgegangen! Zuvor sind wir in verschiedene Dörfer gefahren und haben für unsere Schule Werbung gemacht. Am 6. November hatten wir schließlich unsere Opening Celebration und am Tag darauf gings auch schon los. Mein Fazit: 15 drei- bis fünfjährige sind unglaublich süß und unglaublich anstrengend. Daran werde ich mich aber denke ich schnell gewöhnen und ich freue mich schon darauf, mit den Kindern zu arbeiten. Mit den älteren Kindern im Volkschulalter am Nachmittag in der Enrichment Class ist es sowieso etwas ruhiger 😊 Ansonsten habe ich erfahren, dass noch eine Volontärin kommt: Eine Schweizer Sonderschullehrerin wird für eineinhalb Monate hier in Croap leben, was bestimmt eine Bereicherung wird. Außerdem gibt es ein paar Neuigkeiten von meinem Müllprojekt: die Trennung von Bioabfall und anderem Müll funktioniert mittlerweile fast immer und nächste Woche habe ich dann meinen Plastikworkshop bei dem wir hoffentlich gemeinsam ein paar weitere Maßnahmen beschließen können.

Zudem war in den letzten Tagen hier das Bon Om Touk, das „Festival of the water and the moon“ was sich für mich ziemlich magisch angehört hat und zum Teil auch so war. Ein paar Tage zuvor, finden im ganzen Königreich Bootsrennen statt und dann fährt die beste Mannschaft aus jeder Provinz nach Phnom Penh, um gegeneinander anzutreten. (Die Mannschaft des Premierministers Hun Sen gewinnt jedes Jahr, was ein Zufall.) Am Donnerstag besuchten Marie und ich das Bootsrennen in Pursat und es ist wirklich ein Spektakel. Samstag dann fuhren wir in die anliegende Provinz Kompong Chhnang zu einem Wasserfall. Bereits am Eingang sah es schon paradiesisch aus. Fröhliche Menschen badeten im Fluss, links und rechts säumten die klassischen Holzhäuschen auf Stelzen das Ufer. Zwischen den Stelzen werden übrigens immer Hängematten gespannt, was das ganze noch malerischer aussehen lässt. Marie und ich wollten aber den großen Wasserfall sehen und so gingen wir mit unsere Freunden Borey und Cheat durch den Dschungel den Berg hinauf. Und es hat sich ausgezahlt: wir waren allein, das Wasser war unglaublich, es lag praktisch kein Müll herum und war definitiv einer der schönsten Orte, an dem ich je war.

Gestern Abend fuhren wir dann noch nach Pursat um den letzten Abend des Bon Om Touks zu erleben: Alles war erleuchtet, die Straßen voll mit Menschen, überall war Musik. Die Buddhisten ließen erleuchtete Blumengestecke am Fluss treiben, in die sie zuvor Gebete an Indra, den Gott des Mondes, gesprochen hatten. Außerdem stiegen immer wieder Himmelslaternen in die Nacht hinauf. (Ich weiß, umwelttechnisch eine Katastrophe, aber soo schön).

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass die Zeit gerade unglaublich schnell vergeht und es mir hier wirklich gut geht.

Heute bin ich dankbar für das Baden im Wasserfall, für Cheat, Borey und Marie und das gemeinsame Kochen

Danke fürs‘ Lesen und ich hoffe, euch geht’s auch gut!

2 Antworten auf „Von weißer Haut und dem Mond

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  1. Liebe Beni
    schön zu sehen wie es dir gut geht!!
    Was mir eingefallen ist bei deinem Beitrag zu den Vor-Urteilen:
    Das ist ja eigentlich was ganz normales und tagtägliches – wir müssen uns halt ganz schnell mal bei einer Begegnung ein Bild machen vom GegenüberIn 🙂
    Schlimm ist es ja nur wenn man
    1) nie mehr davon abgeht
    2) es zu einer Vor-Verurteilung wird – und dann noch -> siehe 1)
    Nimms mal als ein Vorabgeschenk an dich ; dann kann man leichter damit, oder ?
    Umarm dich
    Benedikt
    PS.: warum weiss du nicht was man zum Dachdecken braucht ??

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