Hallo ihr Lieben,
Jetzt bin ich bereits sieben Wochen hier in Kambodscha und würde durchaus sagen, dass ich mich eingelebt habe. Mittlerweile hat sich ein Alltag eingestellt und auch noch ein bisschen genauer herauskristallisiert, was ich in meiner Zeit hier tun werde. Abgesehen von meiner Arbeit in der Montessorischule und manchmal mit der Women’s group habe ich mich jetzt nämlich dem Thema Nachhaltigkeit angenommen. Angefangen hat es dadurch, dass ich gefragt habe was mit dem Müll aus dem Projekt geschieht. Die Antwort: Er wird in den Wald geschmissen und teilweise verbrannt. Das hat mich natürlich schockiert, bei näherer Betrachtung aber nicht überrascht. Man muss nicht lange in Kambodscha sein, um das riesige Müllproblem zu bemerken. Trotzdem wollte und will ich unsere Situation mit dem Müll nicht einfach so hinnehmen und habe, trotz miesen Internets, Stunden damit verbracht, zum Müllproblem in Kambodscha zu recherchieren. Das Ergebnis: es gibt nur in den großen Städten Waste Management und nicht mal dort funktioniert es. Die Leute verbrennen ihren Müll oder schmeißen ihn in Flüsse, nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“, was besonders schmerzhaft für mich ist, wenn man bedenkt, dass alle Flüsse irgendwann im Meer münden. Es gibt allerdings auch Müllsammler, die sich um einen Teil der Plastikflaschen und Dosen kümmern. Ich bin also zum frustrierenden Schluss gekommen, dass wir nicht viel an unserer Müllentsorgung im Projekt ändern können, ganz einfach, weil es keine Ressourcen dafür gibt. Was wir aber ändern können ist, wie viel neuen Müll wir produzieren. Zurzeit kommen wir beispielsweise von einem Großeinkauf vom Markt mit ungelogen 20 bis 25 Plastiksackerl wieder, was es in Zukunft zu vermeiden gilt. Und hier komme ich in Spiel.
Ich habe einige Ideen:
Das Gelände und den Fluss des Projektes von herumliegenden Müll befreien (es liegt zwar viel weniger als anderswo herum aber trotzdem zu viel)
Plastiksackerl, Strohhalme, Take away Container, Sprich Einwegplastik nicht mehr verwenden
Alles irgendwie mögliche upcyclen oder wiederverwenden
Einen Workshop für alle MitarbeiterInnen des Projekts über die Klima Krise, Nachhaltigkeit und die Auswirkungen von Müll
Regelmäßige Einheiten in der Montessorischule über environmental issues
All diese Ideen habe ich Anfang Oktober beim monatlichen Meeting vorgestellt. Mit dem Ergebnis, dass ich von dem Projektleiter Mr. Santiago zur Hauptverantwortlichen in Sachen Nachhaltigkeit ernannt wurde und mit der Erlaubnis, alles umzusetzen, was ich mir vorgestellt hatte. Da wären wir auch schon beim nächsten Punkt: die Umsetzung. Das die alles andere als einfach wird, ist mir durchaus bewusst. Wenn man bedenkt, dass es auch in Österreich genügend Leute gibt, die es scheinbar einfach nicht schaffen eine Leinentasche zum Einkaufen mitzunehmen, wird es hier in Kambodscha, wo es praktisch kein Bewusstsein für Müll und seine Auswirkungen gibt, nochmal um einiges schwieriger. Auch den Vortrag für die MitarbeiterInnen vorzubereiten ist eine echte Herausforderung für mich. So weiß ich beispielsweise nicht genau, von wie viel Vorwissen ich ausgehen kann, was zu oberflächlich und was zu detailliert ist. Dennoch bin ich gute Dinge, nach und nach, mit viel Geduld, ein paar Dinge umsetzen zu können. Es ist auch einfach ein tolles Gefühl, eine konkrete Aufgabe für mich gefunden zu haben, in der ich aufgehen kann. Meine Mission sozusagen.
Wenn ihr irgendwelche Anregungen, Ideen oder Tipps für mein Müllprojekt habt freue ich mich sehr!
Battambang
Aber genug von der Arbeit: letztes Wochenende ging es für Borey, Marie, Chheat, Soi und mich nach Battambang, wo wir ein paar Tagen mit der Familie von Borat, Boreys Bruder verbracht haben. Wir haben sehr viel unternommen, so waren wir auf Blumen- und Weinfarmen und haben einen Tempel, der sogar noch älter ist als Angkor Wat, bei Sonnenuntergang besucht. Ein Highlight war definitiv auch die Fahrt mit dem Bamboo Train. Der ist leider mittlerweile nicht mehr aus Bambus, besteht aber aus einer Holzplatte mit ein paar Sitzen, die hinten von einem einfachen Motor betrieben wird und mit der man dann ein paar Minuten auf Gleisen einen Berg entlang zischt. Ein weiteres Highlight war dann das Mittagessen auf einem schwimmenden Restaurant, strohgedecktes Dach und Hängematten inklusive. Weiter gings dann unzählige Stufen einen Berg hinauf, und die Aussicht und die Tempel oben waren den Asthma-anfall, der schon im Anmarsch war, wirklich wert. Runter gings dann nicht wieder die Stufen, sondern auf einem Trampelpfad mitten durch den Dschungel, bis wir auf einmal vor einer Höhle standen. Ein alter Mann ging mit uns hinein, erzählte mit brüchiger Stimme etwas über die Formen der Tropfsteine und führte uns zu einer Buddha-Statue tief im Inneren. Wieder draußen sahen Marie und ich uns an: Hatten wir das gerade wirklich erlebt?
Am Sonntag passierte dann noch etwas für mich sehr Aufwühlendes. Wir besuchten noch einen anderen Berg (für alle ÖsterreicherInnen einen Hügel). Dort warteten wieder Tempel, aber auch Affen, Höhlen, Mönche, jede Menge Libellen und schöne Ausblicke auf uns. Einer der Höhlen besuchten wir genauer: Die sogenannte Killing Cave. In dieser Höhle zwangen die Roten Khmer über mehrere Jahre hinweg 10.000 Menschen in den Tod zu springen. Wir bekamen eine Art Führung, die mich schlussendlich zum Weinen brachte: So waren viele Knochen nicht wirklich aufgebahrt und unser Guide hielt mir einen Knochen mit Haut hin von dem ich mich nicht schnell genug abwenden konnte. Immerhin weigerte ich mich, die Gebeine einer schwangeren Frau und ihres ungeborenen Kindes anzusehen. Das Ganze warf mich völlig aus der Bahn und die anderen waren mit meinen Tränen komplett überfordert. Marie verstand es, aber Kambodschaner haben, sicher auch durch den Buddhismus, einfach ein anderes Verständnis vom Tod und sind sicher auch an die Schrecken der Roten Khmer gewöhnt. Das war dann natürlich kein so schöner Abschluss für ein ansonsten absolut wunderbares Wochenende. Unten findet ihr übrigens viele Fotos – Khmer lieben es einfach, hunderttausend Fotos zu machen. An sich habe ich nichts dagegen, nur manchmal sehne ich mich danach an schöne Orte zu fahren, um an schönen Orten zu sein und nicht um schöne Fotos zu machen.
Heute bin ich dankbar für den Urwald, meine Freiheit in der Arbeit und die täglichen Überraschungen.



die Stufen scheinen ins Endlose zu gehen… 
unsere Gruppe 

Marie und ich auf dem „bo“ von „I love Cambodia“ 
Bamboo Train 
Die Kinder waren glücklich, ehrlich 


ein Stück Dschungel 


ein Restaurant 
Auf der Spitze des Berges wartet dieser Tempel 


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